< Biofeedback-Therapie bei Rücken- und Spannungskopfschmerzen
13.04.2016 10:52 Alter: 2 yrs
Kategorie: Allgemein
Von: schopf@hartner-schopf.de

Manuelle Medizin und Rückenschmerzen.


In der Zeitschrift für Manuelle Medizin veröffentlichte der Kollege Niemier aus Hamm einen interessanten Artikel in dem er sich kritisch mit der Wirkung der manualmedizinischen Behandlung bei Rückenschmerzen auseinandersetzte. Er führte eine ausgedehnte Literaturrecherche durch und fand insgesamt 94 Studien zu diesem Thema.

Interessant ist dieses Them,a da fast jeder Deutsche zumindest einmal im Leben an einem akuten Rückenschmerz leidet. Etwa 90% dieser Rückenschmerzen heilen spontan ohne jede Therapie aus. Etwa 10% der Patienten mit akuten Rückenschmerzen entwickeln einen chronischen Schmerz. Häufig bleibt der Schmerz nicht regional begrenzt, sondern weitet sich aus in Form von generalisierten Schmerzsyndromen wie zum Beispiel der Fibromyalgie.

Herr Niemier konnte zeigen dass Manipulationen an der Wirbelsäule kurzfristig die Haltungs- und Bewegungswahrnehmungen, die Bewegungssteuerung/Koordination, den Muskeltonus und die Kraftentfaltung positiv beeinflussen. Zudem gibt es Effekte auf die lokale Schmerzregulation mit einer Anhebung der Schmerzschwelle. Auch die Behandlung der inneren Organe wirken auf die regionale Schmerzregulation.

Bei akuten Rückenschmerzen ist die Wirbelsäulenmanipulation der Scheinmanipulation kurzfristig überlegen. Sie ist auch wirksamer als eine Standard-und Schmerzmittelbehandlung.

Bei chronischen Rückenschmerzen lässt sich aufgrund der komplexen Befundlage die Indikation für eine komplexere Diagnostik und Behandlung ableiten. Das heißt neben Blockaden an der Wirbelsäule sollte eine Störung der Statik oder auch Muskelfehlfunktionsstörungen, wie zum Beispiel Schwächen oder Verkürzungen der Muskulatur, berücksichtigt werden. Zudem sollte der psychosoziale Hintergrund des Patienten beachtet werden.

Alleinige manualmedizinische Behandlung bei chronischen Rückenschmerzen sind kurzfristig effektiver als eine Nicht-oder Scheinbehandlung. Ebenso sind sie kurzfristig effektiver als interventionelle/operative Behandlungsverfahren.Langfristig lässt sich kein Unterschied feststellen. Aufgrund des deutlich besseren Nebenwirkungsprofils und der geringeren Kosten sollten manualmedizinische Behandlungen interventionellen/operativen Behandlung vorgezogen werden.

Patienten mit dem Verdacht auf psychosoziale Einflussfaktoren, einer ausgebreiteten Schmerzsymptomatik, einer hohen initialen Schmerzstärke und Behinderung sollten aufgrund ihres hohen Chronifizierungsrisikos kurzfristig einer multimodalen Diagnostik und Therapie zugeführt werden.

Diese Erkenntnisse bestätigen unsere bisherige Vorgehensweise. Patienten in unserer privatärztlichen Gemeinschaftspraxis Hartner und Dr. Schopf werden immer komplex/ multimodal hinsichtlich Schmerzchronifizierungsrisiko, Stadium der Schmerzchronifizierung, vegetativer Regulationsstörungen/Stress und psychosozialer Einflussfaktoren abgeklärt.

(Literaturhinweis: K. Niemier, Manuelle Medizin in der Behandlung von Rückenschmerzen;Manuelle Medizin 2015, 53:424-446)