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07.05.2016 19:47 Alter: 2 yrs
Kategorie: Allgemein
Von: schopf@hartner-schopf.de

Arthroseschmerz – Blutegeltherapie als Alternative zur Schulmedizin


Bei mir in der Praxis setze ich Blutegel bei Arthroseschmerzen seit einigen Jahren ein. Das Feedback der Patienten ist gut. Für die meisten stellt sich ein zufriedenstellender Effekt ein, der auch einige Zeit anhält.

Die Studienlage zu dieser Behandlungsmethode beim Krankheitsbild der Arthrose ist übersichtlich, aber mit weitgehend positivem Feedback versehen.

Ich möchte beispielhaft zwei Studien nachfolgend erwähnen:

Eine Studiengruppe um Andereya veröffentlichte im Jahr 2008 überzeugende Ergebnisse bezüglich der Wirksamkeit einer Behandlung mit Blutegeln. In ihrer Studie untersuchten sie insgesamt 113 Patienten mit Kniegelenksarthrose. Die erste von 3 Gruppen wurde einmalig mit Blutegeln behandelt, der zweiten Gruppe wurden die Blutegel zweimal im Abstand von 4 Wochen angelegt und für die Kontrollgruppe wurde eine Behandlung mit Blutegeln lediglich simuliert. Nadelstiche sollten das Anbeißen eines Egels vortäuschen und aus einer nassen Rolle Verbandsmull wurde ein Egel geformt und auf die „Bissstelle“ aufgelegt. Der Behandlungserfolg wurde in regelmäßigen Abständen bis zu 6 Monate nach der Therapie erfasst.

In allen drei Gruppen berichten die Patienten nach der Behandlung weniger Schmerzen als vorher. Bei der Kontrollgruppe blieb der Verbrauch an Schmerzmedikamenten konstant, bei den beiden anderen Gruppen hingegen nahm er deutlich ab. Auch bei den Symptomen der Arthrose sowie den Beeinträchtigungen der Kniegelenksfunktion, die über verschiedene Fragebögen erhoben wurden, konnte durch die Blutegelbehandlung eine deutliche Verbesserung erzielt werden. Dies bestätigt die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahre 2003 unter der Leitung von Dr. Michalsen vom Lehrstuhl für Naturheilkunde und Integrative Medizin in Essen. Auch er fand einen deutlichen Rückgang der Schmerzen nach einer Blutegelbehandlung (Schmerzreduktion um 64 %), die zudem einer Standardtherapie mit einer Schmerzsalbe (Schmerzreduktion um 18%) deutlich überlegen war. Zwar verschwand der Unterschied zwischen den beiden Gruppen nach vier Wochen, aber bezüglich Gelenkfunktion und Beweglichkeit war die Blutegelgruppe noch nach vier Wochen im Vorteil. Dass eine Schmerzlinderung und auch eine Verbesserung der Symptome sogar noch 6 Monate nach einer erstmaligen Blutegelbehandlung gemessen werden kann, zeigen nun die aktuellen Ergebnisse von Andereya. Darüber hinaus verstärkte ein wiederholtes Ansetzen der Blutegel nach vier Wochen die Langzeitwirkung.

Über welche Mechanismen die Blutegelbehandlung letztlich wirkt, ist bislang nicht endgültig geklärt. Ein Teil der Wirkung ist sicherlich auf die unzähligen pharmakologisch aktiven Substanzen im Speichel des Blutegels, wie z.B. verschiedene Proteine, gerinnungs- und entzündungshemmende sowie schmerzlindernde Stoffe zurückzuführen. Da es auch in der Kontrollgruppe zu einer kurzfristigen Beschwerdelinderung kam, zeigt, dass die Wirkung der Blutegel nicht allein durch diese Substanzen erklärt werden kann. Beispielsweise könnte auch das Verletzen der Haut durch die Beißwerkzeuge des Egels bzw. den Einstich in der Simulation eine wesentliche Rolle spielen. Die Wirkung in der Kontrollgruppe lediglich auf den Placeboeffekt zurückzuführen, ist unplausibel, da der Großteil dieser Patienten nicht durch die Scheinbehandlung getäuscht werden konnte. Immerhin 80% von ihnen gaben an, wahrscheinlich keinen echten Blutegel angelegt bekommen zu haben. Es sind also noch eine Menge Fragen offen und die zukünftige Forschung auf diesem Gebiet bleibt spannend.

Literatur:

Andereya et. al. (2008). Assessment of leech therapy for knee osteoarthritis: a randomized study. Acta Orthopaedica 79(2): 235-243.

Michalsen et. al. (2003). Effectiveness of leech therapy in osteoarthritis of the knee: a randomized, controlled trial. Ann Intern Med 139: 724-730.